Schlagwort-Archive: Ebbe

Tag 4

Heute erkundigten wir Portbail und Barneville-Cateret. Zwei beschauliche Dörfer, mit kleinen urigen Kernen. Irgendwie erinnerten uns die beiden Dorfplätze an den Film „Willkommen bei den Sch’tis„. Der ursprüngliche Baustil scheint an der ganzen Nordküste ähnlich heimelig zu sein.

Obwohl beide Ortschaften zu einem guten Teil vom Tourismus leben, gibt es weder Hotelkomplexe, noch Tourifood-Restaurants und geschweige reihenweise Souvenirshops. Die Touristen mieten hier Ferienhäuser oder hausen auf Campingplätzen. Sie wollen Ruhe und die Natur geniessen. In Portbail beispielsweise pflanzten Normandie-Fans in den letzten Jahre beachtliche ein Vielzahl von Villen hin. Wie wir im Schaufenster eines Maklers lesen konnten, sind die Preise hier noch vergleichsweise günstig. Für eine halbe Mio. CHF liegt da schon eine gut ausgebaute Logie mit ordentlich Umschwung und zeitweiligem Meerblick drin…

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Der Yachthafen von Portbail. Warten aufs Wasser…

Am Nachmittag unternahmen wir erneut einen Wattspaziergang direkt vor unserer Haustür. Die Ebbe schien uns heute noch gewaltiger als gestern. Rund elf Minuten mussten wir vom Strand meerwärts marschieren, bis wir das Wasser erreicht hatten. Immer wieder wehten uns Nebelfetzen entgegen. Für mystische Momente war gesorgt.

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Wattwürmer im Nebel…

Der Koffer ist gepackt. Morgen schiffen wir uns via Saint Malo auf Guernsey ein. Wir sind gespannt auf die Überfahrt. Gewitter sind angesagt. Die Reisetabletten daher griffbereit…

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Tag 3

Der starke Wind hielt in der Nacht an und in den frühen Morgenstunden ging ein leichter Regenschauer nieder. Dennoch: Göttliche Ruhe. Auf dem morgendlichen Gassi-Walk konnte ich zum ersten Mal die beginnende Ebbe an dieser Küste bestaunen. Ein kleiner Vorgeschmack auf den Nachmittag. Der Tidenhub ist wirklich beeindruckend und der Strand nimmt gewaltige Dimensionen an.
Ein Traktor überquerte den Sand in Richtung zurückweichendem Flutsaum. Im Schlepptau ein Motorboot. Der Fahrer fuhr rückwärts ins feuchte Nass, liess das Boot ins Wasser gleiten, setzte den Traktor samt Anhänger ein paar Meter vor und watete dem nun schwimmenden Kahn hinterher. Wenige Sekunden später machte er sich vom Acker respektive stach in See. Im Verlaufe des Tages wiederholte sich diese Szene aus Neue. Weitere Traktoren mit Anhänger wurden auf dem Strand geparkt, nachdem sie ihre schwimmende Fracht ins Wasser gelassen hatten. Es scheint, dass man hier als Schiffshalter auch einen ausgemusterten John Deere oder ähnliches Gerät sein eigen nennen muss. So was bekommt man in heimischen Gefilden sicherlich nie vor die Linse.

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Transport-Service für Trockengelegte (Schiffe natürlich)

Nach dem Frühstück machten wir einen Shoppingausflug nach Barneville Caternet um in einem Einkaufscenter ein paar Vorräte zu erwerben. Ausserdem habe ich Dödel meine Badehosen zu Hause liegen lassen. Who cares? Wo eine Kreditkarte, da ein Fetzen Stoff!

Gestern Abend haben wir unsere Vermieter kennen gelernt. Ein sympathisches Pärchen. Zur Begrüssung standen eine Flasche Wein sowie verschiedene Biskuits auf dem Stubentisch. Zudem erhielten wir von der Chefin als Willkommensgruss ein Glas selber fabrizierte Mirabellen-Konfitüre überreicht. Diese schmeckt übrigens ausgezeichnet. Nochmals betonten die beiden Gastgeber, dass wir unseren Hund in den Dünen, wie auch am Strand ohne Leine laufen lassen dürfen. Heute nun machten wir die Bekanntschaft einer Nachbarin (?), die uns schon mal versuchte, die gute Laune zu verderben, in dem sie uns zwingen wollte, unseren Kampfhund an die Kette zu nehmen. Tatsächlich – ist uns erst heute aufgefallen – sind an den Strandübergängen überall Schilder montiert, die dies im Namen des lokalen Bürgermeisters fordern und bei Nichtbeachtung mit einer Busse zweiter Klasse drohen – was immer das auch sein mag. Datiert: November 2012. Wir haben Mitte August 2012 gebucht. Grund der Evaluation: Dass wir unseren Wachhund frei laufen lassen dürfen…
Wenn die Gemeinde auf die Dauer auf Stur stellt, geht das Geschäftsmodell unseres Vermieters ziemlich sicher die Flut runter. Schade! Fragt sich, welche idiotischen Hundehalter das Fass zum überlaufen brachten? Scheinbar wurden Menschen gebissen und anschliessend Hunde eingeschläfert.
Nun denn. Wir lassen uns die Ferien nicht vermiesen. Glücklicherweise ist unser Goldi so artig und folgsam, dass wir nichts zu befürchten brauchen.

Wie vorausgesagt, liess der Wind heute nach und es wurde richtig heiss. Eine Abkühlung im Meer war nicht ganz einfach, da sich das Meer bis gegen Abend schlicht nicht blicken liess. Einen gefühlten Kilometer weit weg vom Strand stiess der Schwimmer endlich auf die salzige Erfrischung. Gigantisch dieses Naturspektakel.

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Das Wasser kehrt langsam zurück. Als Grössenvergleich: Im Hintergrund ist die letzte Düne mit den dahinter liegenden Ferienhäuser (darunter unseres ganz rechts) schemenhaft zu erkennen. Der Fotograf steht in maximal knöcheltiefem Wasser. In der Bildmitte im Bereich des trockenen Sandes sind ein Sonnenschirm (links) und Strandgänger (Mitte, rechts) zu erkennen (zoomen).

Das Wasser ist wirklich seeehr erfrischend. Es braucht schon ein Weilchen, bis sämtliche Körperpartien nach dem Kälteschock dem Grosshirn grünes Licht melden. Aber ist man mal drin, macht’s Spass.
Morgen erkundigen wir Portbail. Und bis dahin beobachten wir das aufkommende Sommergewitter und freuen uns auf einen erholsamen Schlaf…