Archiv der Kategorie: Ums Haus

Tag 15

Letzter Tag in/auf der Hazienda. 5 1/2 Zimmer, grosser, gänzlich umzäunter Umschwung, direkt hinter der Düne gelegen. Genau das Richtige für ruhige Ferien mit Hund.

Besenreinemachen ist angesagt. Ebenso letzte Einkäufe für die Tour zurück in heimische Gefilde. Um 1900h kommen die Vermieter zum Handshake vorbei.

Vorher gab’s aber noch Strandzeit. Tag der toten Krebse. Überall am Strand lagen Kadaver rum.

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Welche Eindrücke nehmen wir – zu den bereits notierten – mit nach Hause (querbeet):

  • Wunderschöne, gepflegte Dörfer im Cotentin – nicht nur an der Küste…
  • Alte Landsitze und Burgen zuhauf…
  • Der Cotentin ist eine grüne Oase…
  • Natur pur: die Gezeiten dominieren das Tagesgeschehen. Die Ebbe ist gewaltig. Beim Mondwechsel noch gewaltiger…
  • Strände. Einsam, endlos und enorm breit…
  • Die Geschichte ist allgegenwärtig…
  • Der tägliche Blick vom Strand auf eine der letzten Steueroasen (Jersey)…
  • Die Normandianer sind weniger freundliche Autofahrer als die Guernseyaner…
  • Ums Haus und in den Dünen tummeln sich dunkle Weinbergschnecken und flinke Hasen…
  • Calvados ist fein – vor allem hier…
  • Keine Mücken angetroffen – die Viecher verirren sich wohl nicht ans Meer…
  • Wild flatternd und pfeifend umherfliegende Vögel über den Dünen rund ums Haus, die so potentielle Fressfeinde von ihrer Brutstelle ablenken wollen…
  • Gina, die den Sprung ins Meer so liebt – vor allem bei leichtem Wellengang…
  • Der vorherrschende sanfte Tourismus – keine Hotelkomplexe, keine all-inklusive Bunker, keine Vergnügungsparks, keine kilometerlangen Strassen mit Souvenir-Shops und Polaroid-Menus…
  • Hauptstrassen 90km/h, Autobahnen 130km/h mit netten Hinweisschildern auf die gleich folgende Radarkontrolle…
  • kitischige Sonnenuntergänge…
  • jeden Morgen sieht die Welt hinter der Düne anders aus…
  • Die Kalorienaufnahme war wie erwartet (zu) hoch…
  • Wind, Wind, Wind und dennoch angenehme Temperaturen…
  • Schöne Kreisel, neue Kreisel, viele Kreisel, riesige Kreisel…
  • Sauberkeit, wo das Auge hinschaut…
  • Wetterglück – nur ein gänzlich verregneter Tag…
  • Wetterwechsel so schnell wie im Gebirge…
  • 14 Tage lang kein TV – obwohl in jeder Logis einer vorhanden war! Welche Wohltat!!

Liste nicht abschliessend – vielleicht wird sie noch ergänzt…

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Tag 14

Die Geschichte von Tag 14 ist schnell erzählt: Sonne, Strand, Meer – lesen, diskutieren, essen und trinken. Letzteres am Abend in Portbail, in der Pizzeria «Le Phénix».

Buchtipp: «Blackout – Morgen ist es zu spät» von Marc Elsberg. Fesselnd und beängstigend. Utopie oder bewegen wir uns am Rande dieser Realität? Das Buch regt zum Nachdenken an und zeigt auf, wie sehr wir uns auf das Funktionieren der Grundversorgung verlassen…

Tag 10

Das Gewitter von gestern war zahm und von prognostizierter Dauer. Der Regen liess schnell nach und machte, dank einem kräftigen Wind, bald einem prachtvollen Sonnenuntergang Platz. Die Brise war eisig, Kapuzenpulli Pflicht.  Aber das Ausharren lohnte sich:

Sonnenuntergang Lindbergh Plage St-Lô-d'Ourville / Portbail

Sonnenuntergang Lindbergh Plage St-Lô-d’Ourville

Mit dem Wetter hatten wir bisher Glück. Während zu Hause bis 37°C gemessen werden, herrscht hier ein mildes Klima. Shorts können immer getragen werden. Bei starkem Wind ist eine Jacke keine schlechte Idee. Und winden tut’s am Meer halt immer. Das freut neben den klassischen Seglern und Surfern, die Strandsegler, Lenkdrachen– und Kitebuggy-Piloten die sich vereinzelt am breiten Strand der WIndkraft stellen und dem Temporausch verfallen.

Unseren heutigen Dogwalk  führte uns zum Cap de Carteret und an dessen Strand am Fusse der Klippe. Endlos lange Spaziergänge sind hier möglich, durch die Dünen oder immer der Brandung entlang. Genau: Heute hatte es Wasser. Die Flut stieg kontinuierlich und  rabenschwarze Wolken zogen von Jersey kommend übers Land. Unser Timing stimmte. Vor dem Regenschauer waren wir wieder am Trockenen.

Am Nachmittag reichte es gar zu einem Sonnenbad am Strand. Das Wetter wechselt hier ähnlich schnell wie in den Bergen.

Nach zwei Ruhetagen geht es morgen wieder auf einen längeren Ausflug.

Tag 9

Einkaufs-, Wasch- und Ruhetag. Neben dem Grosseinkauf war ein ausgiebiger Strandspaziergang die einzige Ertüchtigung heute. Wetter: Von allem etwas – ausser Schneefall. Das Gewitter soll’s am Abend geben.
Apropos. Unwetter haben gestern Abend nördlich von Paris bis runter ins Burgund grossen Schaden angerichtet. Züge sind stehen geblieben, Weinernten vernichtet. Noch heute morgen hatten landesweit 140 Tausend Menschen keinen Strom. Wir könnten notfalls mit Gas kochen. Ein Cheminée und Holz hat’s auch…
Der Wind frischt auf, der Himmel wird dunkler. Mal sehen, was Petrus so auf Lager hat…

Tag 4

Heute erkundigten wir Portbail und Barneville-Cateret. Zwei beschauliche Dörfer, mit kleinen urigen Kernen. Irgendwie erinnerten uns die beiden Dorfplätze an den Film „Willkommen bei den Sch’tis„. Der ursprüngliche Baustil scheint an der ganzen Nordküste ähnlich heimelig zu sein.

Obwohl beide Ortschaften zu einem guten Teil vom Tourismus leben, gibt es weder Hotelkomplexe, noch Tourifood-Restaurants und geschweige reihenweise Souvenirshops. Die Touristen mieten hier Ferienhäuser oder hausen auf Campingplätzen. Sie wollen Ruhe und die Natur geniessen. In Portbail beispielsweise pflanzten Normandie-Fans in den letzten Jahre beachtliche ein Vielzahl von Villen hin. Wie wir im Schaufenster eines Maklers lesen konnten, sind die Preise hier noch vergleichsweise günstig. Für eine halbe Mio. CHF liegt da schon eine gut ausgebaute Logie mit ordentlich Umschwung und zeitweiligem Meerblick drin…

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Der Yachthafen von Portbail. Warten aufs Wasser…

Am Nachmittag unternahmen wir erneut einen Wattspaziergang direkt vor unserer Haustür. Die Ebbe schien uns heute noch gewaltiger als gestern. Rund elf Minuten mussten wir vom Strand meerwärts marschieren, bis wir das Wasser erreicht hatten. Immer wieder wehten uns Nebelfetzen entgegen. Für mystische Momente war gesorgt.

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Wattwürmer im Nebel…

Der Koffer ist gepackt. Morgen schiffen wir uns via Saint Malo auf Guernsey ein. Wir sind gespannt auf die Überfahrt. Gewitter sind angesagt. Die Reisetabletten daher griffbereit…

Tag 3

Der starke Wind hielt in der Nacht an und in den frühen Morgenstunden ging ein leichter Regenschauer nieder. Dennoch: Göttliche Ruhe. Auf dem morgendlichen Gassi-Walk konnte ich zum ersten Mal die beginnende Ebbe an dieser Küste bestaunen. Ein kleiner Vorgeschmack auf den Nachmittag. Der Tidenhub ist wirklich beeindruckend und der Strand nimmt gewaltige Dimensionen an.
Ein Traktor überquerte den Sand in Richtung zurückweichendem Flutsaum. Im Schlepptau ein Motorboot. Der Fahrer fuhr rückwärts ins feuchte Nass, liess das Boot ins Wasser gleiten, setzte den Traktor samt Anhänger ein paar Meter vor und watete dem nun schwimmenden Kahn hinterher. Wenige Sekunden später machte er sich vom Acker respektive stach in See. Im Verlaufe des Tages wiederholte sich diese Szene aus Neue. Weitere Traktoren mit Anhänger wurden auf dem Strand geparkt, nachdem sie ihre schwimmende Fracht ins Wasser gelassen hatten. Es scheint, dass man hier als Schiffshalter auch einen ausgemusterten John Deere oder ähnliches Gerät sein eigen nennen muss. So was bekommt man in heimischen Gefilden sicherlich nie vor die Linse.

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Transport-Service für Trockengelegte (Schiffe natürlich)

Nach dem Frühstück machten wir einen Shoppingausflug nach Barneville Caternet um in einem Einkaufscenter ein paar Vorräte zu erwerben. Ausserdem habe ich Dödel meine Badehosen zu Hause liegen lassen. Who cares? Wo eine Kreditkarte, da ein Fetzen Stoff!

Gestern Abend haben wir unsere Vermieter kennen gelernt. Ein sympathisches Pärchen. Zur Begrüssung standen eine Flasche Wein sowie verschiedene Biskuits auf dem Stubentisch. Zudem erhielten wir von der Chefin als Willkommensgruss ein Glas selber fabrizierte Mirabellen-Konfitüre überreicht. Diese schmeckt übrigens ausgezeichnet. Nochmals betonten die beiden Gastgeber, dass wir unseren Hund in den Dünen, wie auch am Strand ohne Leine laufen lassen dürfen. Heute nun machten wir die Bekanntschaft einer Nachbarin (?), die uns schon mal versuchte, die gute Laune zu verderben, in dem sie uns zwingen wollte, unseren Kampfhund an die Kette zu nehmen. Tatsächlich – ist uns erst heute aufgefallen – sind an den Strandübergängen überall Schilder montiert, die dies im Namen des lokalen Bürgermeisters fordern und bei Nichtbeachtung mit einer Busse zweiter Klasse drohen – was immer das auch sein mag. Datiert: November 2012. Wir haben Mitte August 2012 gebucht. Grund der Evaluation: Dass wir unseren Wachhund frei laufen lassen dürfen…
Wenn die Gemeinde auf die Dauer auf Stur stellt, geht das Geschäftsmodell unseres Vermieters ziemlich sicher die Flut runter. Schade! Fragt sich, welche idiotischen Hundehalter das Fass zum überlaufen brachten? Scheinbar wurden Menschen gebissen und anschliessend Hunde eingeschläfert.
Nun denn. Wir lassen uns die Ferien nicht vermiesen. Glücklicherweise ist unser Goldi so artig und folgsam, dass wir nichts zu befürchten brauchen.

Wie vorausgesagt, liess der Wind heute nach und es wurde richtig heiss. Eine Abkühlung im Meer war nicht ganz einfach, da sich das Meer bis gegen Abend schlicht nicht blicken liess. Einen gefühlten Kilometer weit weg vom Strand stiess der Schwimmer endlich auf die salzige Erfrischung. Gigantisch dieses Naturspektakel.

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Das Wasser kehrt langsam zurück. Als Grössenvergleich: Im Hintergrund ist die letzte Düne mit den dahinter liegenden Ferienhäuser (darunter unseres ganz rechts) schemenhaft zu erkennen. Der Fotograf steht in maximal knöcheltiefem Wasser. In der Bildmitte im Bereich des trockenen Sandes sind ein Sonnenschirm (links) und Strandgänger (Mitte, rechts) zu erkennen (zoomen).

Das Wasser ist wirklich seeehr erfrischend. Es braucht schon ein Weilchen, bis sämtliche Körperpartien nach dem Kälteschock dem Grosshirn grünes Licht melden. Aber ist man mal drin, macht’s Spass.
Morgen erkundigen wir Portbail. Und bis dahin beobachten wir das aufkommende Sommergewitter und freuen uns auf einen erholsamen Schlaf…