Archiv für den Monat Juli 2013

Tag 13

Nachtrag: Den gestrigen Fisch genossen wir im Restaurant «Au Rendez-vous Des Pecheurs» in Portbail. Gemütlich, fein, freundlich. Empfehlenswert. Auch der Hund dürfte mit. Unserer bewachte aber die Hazienda.

Heute unternahmen wir unsere letzte Tour im Cotentin: Die «Route des Caps». Erster Blickfang: Flamanville. Zum einen das Schloss aus dem 16. Jahrhundert, zum andern das Kernkraftwerk aus dem 20. Jahrhundert. Was für Gegensätze quasi in Steinwurf-Distanz zueinander. Wir schlenderten durch den Park (des Schlosses, nicht des Kernkraftwerks) und „eifersüchtelten“ über die damaligen Besitzer.

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Château Flamanville

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Einen nächsten Zwischenstopp legten wir am Jachthafen von Dielette ein und fuhren danach zum atemberaubenden Aussichtspunkt in Biville.

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Das Panorama von Biville

Anschliessend schlossen wir den atomaren Kreislauf und kreuzten die Wiederaufbereitungsanlage La Hague. Ein riesiger Industriekomplex, abgesichert wie Fort Knox. Elektrozäune und Stacheldrahtverhaue. Und paar Kilometer weiter: Die Bilderbuch-Küste von Auderville mit dem Cap und seinem bekannten Leuchtturm.

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Cap de la Hague

In Omonville-la-Rogue schliesslich schlemmten wir Meeresfrüchte in einem spanischen Restaurant, dem Mar-Bella. Nicht ganz billig, aber sehr delikat. Anschliessend ging’s wieder Richtung Basislager.

Die Tour ist wirklich empfehlenswert. Wir trafen auf kleine Dörfer, die sich allesamt rausgeputzt haben. Renovierte Häuser, Blumen wo das Auge hinguckt, nirgends ist Müll zu sehen. Als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Verschlafen, verträumt, ausgestorben – wie Hollywood-Kulissen. Traumhaft schön. Von wo kommt nur der Reichtum dieser Gegend? Zwei mögliche Antworten: Tourismus und Atomenergie…

Morgen soll es richtig schön und warm werden. Nicht ganz so heiss wie in der Heimat, aber immerhin. Wir schliessen unseren Aufenthalt gerne ab mit zwei Strandtagen und hoffentlich mit einer Menge stimmungsvoller Bilder wie diesen:

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Grössenvergleich: Traktor am rechten Bildrand

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Unsere Tour:

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Tag 12

Regentag. Wie angekündigt, liess Petrus ganztägig die Schleusen offen. Wir entschieden uns dennoch, eine kleine Tour in den Nordosten des Cotentin zu machen. In Quettehou vertilgten wir eine Fougasse, in Barfleur warfen wir einen Blick auf den charmanten Hafen und in Cherbourg stillten wir – im Schutz von Kollege „Näppu“ – den Durst.

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Gegen Abend lichteten sich die Wolken. Bei stürmischem Wind lag noch ein Strandspaziergang drin. Irgendwie erinnert mich Gina mit ihren wehenden Ohren an Fuchur, den freundlichen Drachen aus Michael Ende’s Buch «Die unendliche Geschichte».

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Am Abend ist Fisch angesagt. In Portbail gäbe es da ein empfehlenswertes Restaurant…

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Tag 11

Heute bewegten wir uns auf historischen Pfaden. Einen ersten Abstecher führte uns zum Nationalen Pferdegestüt in Saint-Lô. Per kaiserlichem Dekret verfügte Napoleon Bonaparte den Aufbau des Gestüts (und viele weitere in ganz Frankreich). Schliesslich benötigte er für seine imperialistischen Vorhaben eine Menge Pferdestärken.

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Wir leisteten uns eine (fast private) Führung übers Gelände und durch die Stallungen und machten einen Rundgang durchs kleine Museum.

Anschliessend stellten wir die Uhr 140 Jahre vorwärts und steuerten den Utah Beach an. Hier begann am D-Day die Landung der Alliierten.
Den Helden von damals gebührt unser ganzer Respekt. Nicht auszudenken, wenn die Operation Neptune, welche hier vor rund 70 Jahren seinen Anfang nahm, nicht geglückt wäre. Nordkorea liesse grüssen…

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Überall in der Umgebung stösst man auf Gedenkstätten und Museen (kein Eintritt für Hunde), aber auch auf allerlei Giftshops mit fragwürdigen Artikeln. So auch in Sainte-Mère-Eglise, welches durch ein Missgeschick eines Fallschirmspringers und dessen Verfilmung im «Der längste Tag» weltberühmt wurde.

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Bei der Rückfahrt durch die grüne Landschaft (einst Landungszone tausender Falschirmspringer) stellten wir fest, dass zumindest optisch von einer Wirtschaftskrise hier im Cotentin (noch?) nichts zu sehen ist. Die verträumten Ortschaften präsentieren sich sauber und gepflegt. Es wird gebaut und renoviert. Neue Strassen und Kreisel entstehen. Unser Navi benötigt dringend einen Update…

Die Route:

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Für Interessierte:

Tag 10

Das Gewitter von gestern war zahm und von prognostizierter Dauer. Der Regen liess schnell nach und machte, dank einem kräftigen Wind, bald einem prachtvollen Sonnenuntergang Platz. Die Brise war eisig, Kapuzenpulli Pflicht.  Aber das Ausharren lohnte sich:

Sonnenuntergang Lindbergh Plage St-Lô-d'Ourville / Portbail

Sonnenuntergang Lindbergh Plage St-Lô-d’Ourville

Mit dem Wetter hatten wir bisher Glück. Während zu Hause bis 37°C gemessen werden, herrscht hier ein mildes Klima. Shorts können immer getragen werden. Bei starkem Wind ist eine Jacke keine schlechte Idee. Und winden tut’s am Meer halt immer. Das freut neben den klassischen Seglern und Surfern, die Strandsegler, Lenkdrachen– und Kitebuggy-Piloten die sich vereinzelt am breiten Strand der WIndkraft stellen und dem Temporausch verfallen.

Unseren heutigen Dogwalk  führte uns zum Cap de Carteret und an dessen Strand am Fusse der Klippe. Endlos lange Spaziergänge sind hier möglich, durch die Dünen oder immer der Brandung entlang. Genau: Heute hatte es Wasser. Die Flut stieg kontinuierlich und  rabenschwarze Wolken zogen von Jersey kommend übers Land. Unser Timing stimmte. Vor dem Regenschauer waren wir wieder am Trockenen.

Am Nachmittag reichte es gar zu einem Sonnenbad am Strand. Das Wetter wechselt hier ähnlich schnell wie in den Bergen.

Nach zwei Ruhetagen geht es morgen wieder auf einen längeren Ausflug.

Tag 9

Einkaufs-, Wasch- und Ruhetag. Neben dem Grosseinkauf war ein ausgiebiger Strandspaziergang die einzige Ertüchtigung heute. Wetter: Von allem etwas – ausser Schneefall. Das Gewitter soll’s am Abend geben.
Apropos. Unwetter haben gestern Abend nördlich von Paris bis runter ins Burgund grossen Schaden angerichtet. Züge sind stehen geblieben, Weinernten vernichtet. Noch heute morgen hatten landesweit 140 Tausend Menschen keinen Strom. Wir könnten notfalls mit Gas kochen. Ein Cheminée und Holz hat’s auch…
Der Wind frischt auf, der Himmel wird dunkler. Mal sehen, was Petrus so auf Lager hat…

Tag 8

Abschied von Guernsey. Einen letzten Dogwalk im Norden, einen Lunch in Downtown St. Peter Port und dann hiess es auf zum Pier. Die Fähre wartete.

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Blick auf St. Peter Port

Der Ausflug auf die Insel lohnte sich. In drei Tagen erhält man einen guten Überblick über das Steuerparadies. Mit einer Lachfalte und mit einem Tränensack im Gesicht, verabschieden wir uns. Das Auto hat, trotz ungewohnter Verkehrsführung, keinen Schaden davon getragen – der Fahrer auch nicht. Das Feuchte rund ums Auge rührt vom Drum und Dran: Natur, Leute, Ambiente – ein Wiedersehen würde Freude machen…

Die See war uns wieder wohl gesonnen. Die nur leichte Dünung sorgte für eine weitere positive Erinnerung an die rasante Überfahrt. Welche Furchen der Koloss ins Meer zieht, veranschaulichen folgende Bilder.

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Und wer lieber bewegte Bilder mag: Die Heckwelle. Und hier noch ein paar Details zum Schiff.

Um 19:20h hatten wir die Grenze zur Bretagne erreicht (Saint Malo) und damit wieder festen französischen Boden unterm Pneu. Der „Ferrylag“ (eine Stunde Zeitverschiebung) machte uns auch nicht zu schaffen. Gegen 22:00h erreichten wir unser Basislager in der Normandie, just um noch einen schönen Sonnenuntergang zu erleben.

Von der Rückreise von Saint Malo nach Portbail bleibt uns in Erinnerung, dass

  • die Franzosen eine ausgeprägte Liebe zu Verkehrskreisel haben (als Pendant zum Filter auf Guernsey) – viele davon müssen brandneu sein, da unser Navi sie nicht kannte…
  • uns doch noch einen Blick aus der Ferne auf den Mont Saint Michel gelungen ist (Nebel auf der Hinfahrt verunmöglichte dies)…
  • es in Frankreich wohl ein Gesetz gibt, welches den Radiosendern vorschreibt, mindestens 50% französische Songs zu spielen (sprich: englische und französische Titel wechselten sich auffallend stur ab)…
  • wir nun nachvollziehen können, wie es sich anfühlt, meilenweit gegen den Sonnenuntergang zu reiten (wir haben das Bild der Italowestern im Kopf).  Sprich minutenlang derart geblendet zu werden, um kaum noch die Strasse erkennen zu können (trotz Sonnenbrille und -blende). Aber schön war’s trotzdem…

Tag 7

Nelly. Nelly ist die Hauskatze des Hotels. Absolut zahm, anhänglich und lieb. Eine Herzensbrecherin. Ihr Besitzer, der Hotelier, zog vor einiger Zeit mit Frau, drei Kindern, drei Hunden und vier Katzen vom Seitentrakt des Hotels in ein Eigenheim ca. 1/2 Meile entfernt. Nelly kam als Einzige mit dem Umzug nicht zurecht. Die mittlerweile zehnjährige Katzendame machte sich immer wieder davon, um in „ihrem“ Hotel zu wohnen. Schliesslich hatte der Hotelier ein Einsehen und liess die Samtpfote gewähren.
Ein Dauergast – ein pensionierter Lehrer aus Perth, Australien, hat sich mit der Katze angefreundet. Er verbringt elf Monate im Jahr im Hotel. Der Hotelier meint, dass die beiden sich gegenseitig adoptiert hätten. So übernachtet Nelly denn oft im Zimmer des Aussies oder schnurrt den Herrn frühmorgens aus den Federn. Soweit so gut. Wenn sich aber der Pensionär aufmacht, seine Familie Down Under zu besuchen, wird die Vermietung vom Zimmer 37 zum Problem. Denn Nelly möchte eben in diesem Zimmer auf die Rückkehr ihres Adoptivherrchens warten. Bedeutet: Nelly muss für einen Monat zwangsversiedelt werden und kommt im ungeliebten Wohnsitz der Familie hinter Schloss und Riegel. Die Freude sei jeweils gross, wenn der Tag der Rückkehr gekommen ist. Beidseitig, wie mir beteuert wird…

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Der heutige Tag stand im Zeichen der Südküste. Wir wanderten rund 3 Stunden an der südöstlichen Spitze der Insel. Ausgangspunt: Jerbourg Point. Traumhafte Fotosujets. Brandungsumspülte Steilküsten, Falken und Möwen im dauernden Flugakrobatik-Wettstreit, das Gezeitenspektakel und die üppige Flora. Kurz: Atemberaubend. Ein Muss für jeden Guernsey Besucher.

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Unser letzter Abend auf Guernsey verbringen wir gleich wie die vorherigen. Nachtessen beim Thai unserer Wahl: Das Terrace Garden Café, direkt am Hafen von St. Peter Port. Das Restaurant bietet eine einfache und schmackhafte Küche. Zudem haben die Wirte ein Herz für Hunde und deren Besitzer. Da das Wetter sich ausschliesslich von seiner Schokoladenseite zeigt, sticht auch das dritte Plus: Die gemütlich eingerichtete Gartenterrasse.

Und noch ein paar Tipps für alle, die mit Hund nach Guernsey reisen möchten:

  • Die Vorgaben des PETS sind unbedingt einzuhalten. Diese werden beim Grenzübertritt streng kontrolliert.
  • Auf der Insel sind in den Sommermonaten einige Strände für Hunde gesperrt. Auskunft gibt das Touristoffice direkt am Hafen. Es lohnt sich, dort kurz vorbei zu schauen. Das Informationsmaterial, welches dort aufliegt, ist gratis und nützlich.
  • Es gibt genügend Möglichkeiten, seinen Vierbeiner auch ohne Leine laufen zu lassen. Ein Auto ist dabei von Vorteil, weil die geeigneten Orte ausserhalb von St. Peter Port liegen. Unser Gastgeber bewegt bspw. seine Meute täglich an der Nordküste, in der Nähe des Golfplatzes. Wie wir dies gestern bereits antizipiert hatten.
  • Die Morgentoilette ist die grösste Herausforderung (wenn man wie wir, das Hotel mitten im Städtchen gewählt hat). Im dichten Verkehr ist ein Spaziergang auf den engen Trottoirs nicht sehr angenehm, weder für Hund noch Herrchen. Dennoch. Will man nicht schon am Morgen im Traffic Jam hängen, muss man einen der wenigen Erleichterungsplätzchen – kleine Parks oder Grünflächen – suchen. Denn diese sind rar. Ich mache jeweils ein Ausflug zum Cambridge Park, der in 10′ Gehdistanz zu unserem Hotel liegt. Selbstverständlich gilt auch hier: Leinenzwang und das Wegräumen der Hinterlassenschaften.
  • Da es keine „Robidogs“ gibt, sind entsprechende Tüten immer mitzuführen. Es klappt dann besser mit den Einheimischen…

Und da war da noch der Boss des Chefs:

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